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Häufige Fragen > Anderswelt
Was
war die „Anderswelt”
für
die Kelten?
Wellnesscenter
für vorübergehend abgeschiedene Seelen!
Eine Besonderheit
keltischen Denkens und Glaubens war die Überzeugung, dass der in
der Natur zu beobachtende ewige, zyklische
Kreislauf des Lebens (ob Tag, Monat, Jahr, Vegetation usw.)
natürlich auch für das menschliche Leben
gelten müsse. Die Kelten gingen daher davon aus, dass der Tod
(wie z.B. der Winter für die Vegetation oder für „Winterschlaf”
haltende Tiere) nur eine vorübergehende Rastpause im ewigen
Leben sei, die der Erholung und Regeneration diene. Als Orte
der Verjüngung und Wiederherstellung galten ihnen allerdings –
im Gegensatz zu allen anderen indoeuropäischen Kulturen und Religionen
– kein „Himmel”
und kein „Jenseits”,
sondern die an Höhlen reiche Bergwelt bis hin zum kleinsten Hügel,
den sie in der Hügelgräberzeit ihren Toten sogar künstlich
errichteten.
Diese
Bereiche im sehr irdischen „Bauch von Mutter Erde”,
der nicht abgetrennt von dieser Welt existiert oder in anderen Sphären,
nannten sie Anderswelt. Als Eingänge galten oft
kleine Teiche und Seen (Vgl. z.B. so genannte Egelseen).
Als Orte galten in den Ostalpen höhlenreiche und markante Bergmassive
(Göll, Untersberg
usw.) Wobei wir uns diese Anderswelt wie eine Art von Paradies mit zentralem
Jungbrunnen vorstellen können – oder, dem
„Zeitgeist” entsprechend, wie eine kostenfreie üppige
„Raststation” bzw. ein heiteres „Wellnesscenter”,
das der beschwingten „Runderneuerung”, ja der heilmachenden
menschlichen Verjüngung diente, bis zum Augenblick der zyklischen
irdischen Wiedergeburt!

Lukas
Cranach der Ältere, Jungbrunnen, 1546, Staatliche
Museen Berlin
In dieser verjüngenden Anderswelt unserer keltischen Ahnen wurden
alle Freuden geboten, die die Kelten auch im „normalen Leben”
schätzten. Es war eine unbeschwerte, eine durch und durch lebensfrohe
und sinnliche Welt, die während ihres „vorübergehenden”
Todes allen Kelten zur Verfügung stand. Und an den Toren waren
keine unerbittlichen Wächter
postiert, die „Gute” von „Bösen” geschieden
und Seelen auf die Waagschale gelegt hätten. Alle
wurden gleich begleitet in die sinnenfrohe Andere Welt
hinein und wieder heraus!
Als „Kurdirektor” der paradiesischen keltischen
Anderswelt wirkte dazwischen - im Auftrag der Mutter-Göttinnen-
bzw. Bethen-Trinität
- der Winter- oder Anders-welt-Heros
Cernunnos, eine Art „Herr
der Tiere” (die sich hier ebenfalls tummelten) und Hüter
der Menschenseelen, dessen krönendes Geweih einerseits
Rangabzeichen war, andererseits Symbol für den ewigen Zyklus
von Tod und (irdischer) Wiedergeburt.
Zwar wussten die Kelten natürlich vom Verfall des Körpers.
Doch in ihm sei eine unsterbliche Seele, die im Kopf
der Menschen sitze (vgl. Kopfkult).
Nach dem Tod des Körpers ziehe sich diese Seele zur Regeneration
in die Anderswelt zurück. Von dort aus machen die Seelen zu Samhain
(1. Nov. - vgl. Allerseelen) und zu Beltene
(1. Mai) glücksbringende Besuche in den Häusern ihrer lebenden
Verwandten. Und wenn es Zeit für die irdische Wiedergeburt
sei, ließen sich die Seelen an einer Quelle (dem
Schoß von Urmutter Erde) mit dem Element des Lebens, dem Wasser
an die Erdoberfläche spülen. Eine Frau mit Kinderwunsch
trinkt das Wasser, und die Seele nistet sich in derem Bauch
ein, um neun Monate später neu als kleiner Mensch geboren zu werden,
und in den nächsten Lebenskreis zu starten!
| >Buchtipp: |
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Sylvia und Paul F. Bothheroyd
Keltische Mythologie von A-Z
Wien (Tosa) 2004 |
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©
Georg Rohrecker
Update:
27.12.2008
